Martins Tango-Geschichte: Mehr Selbstvertrauen durch Tango
People of Tango Flow — Geschichten unserer Schüler
Martin war schon immer jemand, der gerne einfach in einem Raum ist und die Energie der Menschen um sich herum wahrnimmt. Small Talk dagegen fühlte sich für ihn nie besonders natürlich an.
„Am glücklichsten war ich oft einfach still in einer Gruppe von Menschen und habe die Energie im Raum aufgenommen“, sagt er. „Die Welt des Small Talks fühlte sich für mich nie wirklich passend an.“
Deshalb war es für ihn nicht immer leicht, neue Verbindungen zu knüpfen. Als er eines Tages auf Webseiten für Aktivitäten in München unterwegs war, entdeckte er eine Anzeige für einen Tango- Anfängerkurs bei Tango Flow. Er hatte zuvor schon Standard- und Lateintanzkurse besucht, in denen auch ein wenig Tango vorkam, doch der argentinische Tango selbst war für ihn noch weitgehend Neuland.
Zunächst wollte er einfach etwas Neues ausprobieren. Doch schon in der ersten Stunde hörte er einen Satz, der seine Sicht auf den Tanz veränderte.
„Als du in der ersten Stunde gesagt hast, dass Tango eine Sprache ist, wurde es für mich wirklich interessant.“
Dieser Gedanke blieb bei ihm — und markierte den Anfang einer Reise, die weit mehr verändern sollte als nur seine Art zu tanzen.
Die Herausforderung entdecken
Am Anfang fühlte sich Tango an, als würde man eine völlig neue Welt betreten. Es war aufregend, aber auch überraschend anspruchsvoll. Wie viele Anfänger musste Martin plötzlich viele Dinge gleichzeitig lernen: Körperhaltung, Balance, die Verbindung zum Partner und wie man Bewegungen klar führt.
Körperlich war das am Anfang nicht einfach für ihn. Besonders zu Beginn der Abendkurse bemerkte er, dass ihm Energie und Körperspannung fehlten.
„Ich habe mich gefragt, wie ich die Energie erzeugen kann, die nötig ist, um die Führung zu übertragen und der Followerin ein gutes Gefühl beim Tanzen zu geben.“
Dazu kamen mentale Blockaden. Manchmal zögerte er, sich vollständig auf eine Bewegung einzulassen, und zog instinktiv den Fuß zurück, statt das Gewicht komplett zu verlagern.
Rückblickend sagt Martin, dass viele dieser Schwierigkeiten mit Selbstvertrauen zusammenhingen.
„Viele Dinge haben sich gelöst, als ich verstanden habe, welche Wirkung eine gute Haltung hat — und dass ich mehr Mut und Entschlossenheit brauche.“
Interessanterweise fühlte sich der soziale Teil des Tangos für ihn leichter an als viele alltägliche Gespräche.
„Der soziale Kontakt funktioniert beim Tanzen besser als neben der Tanzfläche. Im Unterricht kann man immer über das sprechen, was man gerade lernt.“
Viele Menschen, die darüber nachdenken, Tango zu lernen, haben Sorge, dass es am Anfang zu schwierig sein könnte oder dass sie sich unsicher fühlen. Martins Erfahrung zeigt, dass genau diese Gefühle völlig normal sind. Tango zu lernen bedeutet nicht nur, Schritte zu lernen — es geht auch darum, zu entdecken, wie man sich bewegt, wie man Verbindung aufbaut und wie man über den Körper kommuniziert. Bei den meisten Anfängern wächst das Selbstvertrauen Schritt für Schritt mit der Praxis.
Warum er dabei blieb
Für viele Anfänger kann Tango in den ersten Wochen überwältigend wirken. Für Martin wurde gerade diese Herausforderung zu einem Teil der Motivation.
Er merkte, dass er sich in seinem Leben schnell unzufrieden fühlt, wenn er zu passiv wird. Tango bewirkte genau das Gegenteil: Er verlangte Aufmerksamkeit, Konzentration und ständiges Lernen.
„Meine Tangoschuhe jeden zweiten Tag anzuziehen fühlt sich im Moment genau richtig an.“
Mit der Zeit stellte er außerdem fest, dass ihm besonders der aufrechte, geerdete Tanzstil, der bei Tango Flow unterrichtet wird, sehr liegt.
„Ich mag den sehr aufrechten Stil mit dem Impuls aus der Ferse, den ihr unterrichtet. Er fühlt sich für mich kraftvoll und flexibel an und hat einen Spirit sich individuell vorwärts zu bewegen.“
Eine kleine Herausforderung bleibt allerdings, wie er lachend erzählt: Tangoabende dauern oft bis spät in die Nacht — und damit verpasst man leicht das frühe Morgenlicht.
„Argentinier, die nach dem Tanzen noch den Sonnenaufgang erleben, würden sich wahrscheinlich über mich lustig machen.“

Die Veränderungen danach
Die Veränderungen, die Martin erlebt hat, kamen nicht über Nacht. Tatsächlich sagt er, dass andere Menschen sie oft früher bemerken als er selbst.
Mit der Zeit wurde er jedoch immer bewusster darin, wie er sich bewegt, steht und spricht.
„Ich nehme viel bewusster wahr, was ich fühle, denke und wie ich mich bewege.“
Er geht heute aufrechter, trägt seine Brust selbstbewusster und hat den Kopf stolz oben auf dem Körper. Auch im Alltag merkt er, dass er klarer spricht und mit mehr Präsenz auftritt.
Noch etwas anderes begann sich zu verändern: Menschen tanzten gern mit ihm — und fragten ihn immer häufiger zum Tanzen mitzukommen.
„Irgendwann haben Follower wirklich gern mit mir getanzt und mich gefragt, ob ich zu Stunden oder Milongas mitkommen möchte.“
Für Martin wurde Tango mit der Zeit mehr als nur ein Tanz.
„Tango wurde für mich so etwas wie ein Prototyp für positiv energievolle Aktivität — Bewusstsein für Körper und Geist, Fokus und Entschlossenheit, Mut und tiefe Verbindung.“
Ein besonderer Moment
Ein Moment markierte einen wichtigen Schritt in Martins Tangoreise. Er wurde eingeladen, bei der Brezel Praktika eine kurze Präsentation zu geben — einer Tango-Flow-Praktika, bei der Tänzer ihre Ideen und Erfahrungen miteinander teilen.
Die Einladung kam überraschend.
„Damit hatte ich nicht gerechnet, und ich habe ein großes Vertrauen gespürt und eine große Ehre darin gesehen.“
Vor Tänzern zu stehen, die oft deutlich mehr Erfahrung hatten, war gleichzeitig spannend und einschüchternd. Obwohl er sich sorgfältig vorbereitete, war er trotzdem nervös.
Doch die Erfahrung bestätigte ihm etwas Wichtiges: Es ist möglich, nach vorne zu treten und die eigene Perspektive auf Tango zu teilen.
„Es war ein hilfreicher Hinweis, einen weiteren Schritt zu gehen und meinen eigenen Zugang zum Tanzen zu präsentieren.“
Für Martin symbolisierte dieser Moment etwas Größeres — das Vertrauen in den eigenen Entwicklungsweg.
Rückblick
Wenn Martin heute zu der Version von sich selbst sprechen könnte, die zum ersten Mal in einen Tangokurs ging, würde er etwas sehr Einfaches sagen:
„Du kannst das lernen!“
Selbst wenn einem manchmal Wissen, Energie oder Inspiration fehlen, helfen Neugier und gute Lehrer dabei, die richtigen Tools zu finden.
Einen praktischen Rat würde er sich ebenfalls geben: sich gelegentlich beim Tanzen zu filmen.
„So bekommt man viel schneller eine Verbindung zwischen der inneren Wahrnehmung und dem, was von außen sichtbar ist.“
Und was würde er jemandem sagen, der sich unsicher fühlt und darüber nachdenkt, Tango auszuprobieren?
„Mach dein Leben besonders!“
Für Martin bedeutet Tango, Wahrnehmung, Gefühle, Gedanken und Bewegung bewusster zu erleben und gleichzeitig Vertrauen und Verbindung zu anderen Menschen aufzubauen.
„Finde dein eigenes Tempo — aber gib nicht zu früh auf, denn die Herausforderung ist genau das, was du suchst.“
Weitere Inspiration von Martin
Auf seinem Tango-Weg hat Martin sich auch von verschiedenen Büchern, Ideen und Methoden inspirieren lassen, die ihm geholfen haben, Bewusstsein und innere Stärke zu entwickeln:
- Becoming Aware – Daniel J. Siegel
- Beyond Anxiety – Martha Beck
- Dead Poets Society – Nancy Kleinbaum
- Wim Hof Method
- Ein Video über den Umgang mit Herausforderungen:
https://www.youtube.com/watch?v=ha1ZbJIW1f8
Diese Einflüsse haben Martins Blick auf Tango geprägt — nicht nur als Tanz, sondern als Möglichkeit, Präsenz, Mut und echte Verbindung zu entwickeln.

Redaktioneller Hinweis
Diese Geschichte basiert auf Antworten, die Martin in einem Fragebogen über seine Tango-Erfahrungen gegeben hat. Der Text wurde zur besseren Lesbarkeit redaktionell überarbeitet und mit seiner Zustimmung veröffentlicht.
Neugierig, argentinischen Tango in München zu lernen?
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