Tango Tips

12 Tipps für deine erste Milonga in München

Die soziale Struktur in der Welt des argentinischen Tangos unterscheidet sich von der anderer Tänze. Es gibt viele ungeschriebene Regeln, die eine Tangotänzerin kennen muss, um sich auf einer Milonga – oder einem Tango-Salon, wie die Tanzlokale in Buenos Aires oft genannt wurden – zurechtzufinden.

Die folgenden Tipps sollen dir dabei helfen, deine Tango-Social-Skills aufzupolieren und Spaß dabei zu haben!

Bereit? Los geht’s!

Tipp 1: Körperhygiene

Für Gesellschaftstänze allgemein – und damit auch für Tango – selbstverständlich: Bevor du tanzen gehst, solltest du duschen, saubere Kleidung anziehen und Deo auftragen.

Wir tanzen oft in enger Umarmung, sowohl mit Freund*innen als auch mit Fremden. Bei angenehmem Körpergeruch wird das für alle Beteiligten zu einer deutlich entspannteren Erfahrung! Männern empfehlen wir, zusätzliche Hemden zum Wechseln mitzubringen, vor allem bei starkem Schwitzen.

Achte auf frischen Atem und vermeide zu starkes Parfüm, um das Tanzen in enger Umarmung angenehm zu halten. Die Nase tanzt mit!

Tipp 2: Schick anziehen

Auf eine Milonga zu gehen ist mehr wie ein Besuch in einem schicken Restaurant als in einem Club. Tatsächlich finden viele Milongas in Buenos Aires in Cafés oder Restaurants statt. Man trifft sich dort mit Freund*innen und isst vor dem Tanzen gemeinsam zu Abend.

Und du würdest vermutlich nicht in Jogginghose ins Restaurant gehen, oder? Obwohl Milongas in Europa in der Regel kein Essen servieren, bleibt das Prinzip gleich. Nimm den Besuch auf der Milonga einfach als Gelegenheit, dein Lieblingshemd, -kleid oder Paar Schuhe auf die Piste zu bringen.

In München findest du je nach Veranstaltung beides – elegante Milongas, aber auch entspanntere Events, besonders in der Tango Young Szene, in der ein persönlicher Stil absolut willkommen ist.

Tipp 3: Geh nicht allein

Mehr eine Empfehlung als eine Regel, aber sie kann dir viel Frust ersparen. Wenn du tanzen gehst, komm am besten mit Tanzpartner*in oder frag deine Freund*innen, ob sie mitkommen.

Auf diese Weise hast du auch dann einen schönen Abend, wenn du nicht so viel tanzt oder dir die Musik nicht so gut gefällt. Auf manchen Milongas bleiben Freundesgruppen eher unter sich und tanzen nicht mit Tänzer*innen, die sie noch nicht kennen.

Mit Partner*in oder Freund*innen hast du die Möglichkeit, deinen Tanz zu zeigen und die Chancen auf erfolgreiche Miradas/Cabeceos zu erhöhen.

Tipp 4: Mirada & Cabeceo

Mirada cabeceo in tango

Sehr spezifisch für den Tango. Auf einer Milonga tritt man nicht einfach an Fremde heran und bittet zum Tanz. Stattdessen stellt man, idealerweise mit etwas Abstand, Augenkontakt zur Wunschpartner*in her (Mirada, von Spanisch mirar – schauen).

Wenn der Augenkontakt erwidert wird, bestätigt man mit einem kurzen Nicken (Cabeceo, von Spanisch cabeza – Kopf). Wenn auch der Cabeceo erwidert wird, begeben sich Führende zu den Folgenden und man betritt gemeinsam die Tanzfläche.

Warum macht man das? Ein gemeinsamer Tanz sollte immer im beiderseitigen Einverständnis stattfinden. Niemand schuldet jemandem einen Tanz. Stell dir vor, du gehst zu jemandem hin, nimmst all deinen Mut zusammen, bittest zum Tanz und wirst abgewiesen! Jetzt musst du vor aller Augen den Walk of Shame zurück antreten.

Das Mirada/Cabeceo-System erspart dir das und erlaubt allen, Tänze diskret anzunehmen oder abzulehnen. Deine Mirada wird nicht erwidert? Schau einfach woanders hin!

Das Nutzen von Mirada und Cabeceo zeigt, dass du Tango-Etikette verstehst und befolgst. Deine Mittänzer*innen werden das zu schätzen wissen!

Selbstverständlich kannst du deine Freund*innen oder guten Bekannten immer noch direkt fragen oder von ihnen gefragt werden, wenn das für beide Seiten in Ordnung ist.

Tipp 5: Beobachte die Tanzfläche

Wieder mehr Empfehlung als Regel. Bevor du deinen ersten Tanz auf einer Milonga beginnst, kannst du zunächst den Tänzer*innen auf der Tanzfläche ein wenig zuschauen.

Das hilft dir, schon einmal jemanden zu finden, mit dem oder der du gerne tanzen möchtest. Außerdem gibt es dir einen Eindruck von der Stimmung des Abends und hilft dir, dich anzupassen.

Tipp 6: Führende bringen Folgende auf die Tanzfläche

Es gehört zum guten Ton, dass Führende nach einem erfolgreichen Cabeceo Folgende an ihrem Platz abholen und auf die Tanzfläche begleiten.

Tipp 7: Vorsicht beim Betreten der Tanzfläche

Auf einer guten Milonga bewegen sich Tänzer*innen auf der Pista (Tanzfläche) in der sogenannten Ronda (eine kreisförmige, imaginäre Linie um den Rand der Tanzfläche). Die Bewegung verläuft immer gegen den Uhrzeigersinn und so weit wie möglich am Rand der Pista.

Genau wie wenn du mit dem Auto auf eine Autobahn auffährst, solltest du zunächst nach links blicken und sicherstellen, dass der*die nächste Führende dich sieht, bevor du die Pista betrittst. Im Tango bauen Führende dazu per Mirada Augenkontakt miteinander auf.

Nur wenn man sicher ist, dass die Mirada erwidert wird, zum Beispiel durch einen Cabeceo, bringt man die Partnerin auf die Tanzfläche. Um den Tanzfluss einer laufenden Ronda nicht zu stören, beginnt man so schnell wie möglich zu tanzen.

Tipp 8: Tanzen in der Ronda

Tango Ronda

Auf einer vollen Milonga bilden sich oft weitere Rondas in Richtung Mitte der Tanzfläche. Vermeide, zwischen den Rondas zu wechseln. Die erfahreneren Tänzer*innen versuchen in der Regel, in der äußersten Ronda zu bleiben.

Halte mindestens einen Schritt Sicherheitsabstand zum Paar vor dir ein und vermeide, mehr als einen Schritt gegen die Tanzrichtung zu führen. Zusammenstöße mit anderen Paaren gelten als unhöflich und sollten vermieden werden.

Sollte es doch einmal passieren, stelle per Mirada sicher, dass das andere Paar in Ordnung ist. Falls ja, tanze weiter, um den Tanzfluss aufrechtzuerhalten. Nach dem Ende des Liedes ist es höflich, sich zu entschuldigen – egal, wer schuld an dem Zusammenstoß war.

Vermeide ausschweifende Bewegungen oder Figuren, die die Paare um dich herum gefährden.

Behalte immer deine Umgebung im Auge und bleib in Bewegung – wenn du vor dir viel Platz hast, befindet sich wahrscheinlich ein Stau hinter dir!

Tipp 9: Beendet die Tanda gemeinsam

Tandas in Tango

Auf einer Milonga ist die Musik traditionell in Tandas organisiert – meist 4 (Tango) oder 3 (Milonga und Vals) Lieder am Stück. Diese werden durch eine Cortina voneinander getrennt – ein Lied aus einer Nicht-Tango-Musikrichtung.

Hier die wichtigsten Dos and Don’ts:

  • Wenn du mit jemandem tanzt, beendet die Tanda auch gemeinsam.
  • Bitte fordere am besten nicht zum letzten Lied einer Tanda zum Tanz auf – warte auf die nächste Tanda.
  • Wenn nach der Tanda die Cortina läuft, bedanke dich bei deiner Partnerin. Danke sagen heißt auf Wiedersehen – für den Moment!
  • Es gehört zum guten Ton, dass Führende nach der Tanda ihre Folgenden zu deren Platz zurückbegleiten.

Tipp 10: Nicht auf der Milonga unterrichten

Das ist eine sehr wichtige Regel für die Milonga! Solange du nicht explizit um Rat gefragt wirst, solltest du auf der Milonga nicht anfangen, Dinge zu erklären.

Wenn eine Figur nicht klappt, versuche, es von deiner Seite aus besser zu machen oder führe etwas anderes.

Eine Milonga ist kein Unterrichts- oder Übungsraum, sondern ein Ort zum Tanzen und Spaß haben. Und gute Führende tanzen nicht jede Figur mit allen Folgenden, sondern spüren, was sie mit wem angenehm tanzen können.

Tipp 11: Die erste und die letzte Tanda

Wenn du mit Partner*in auf die Milonga gehst, tanzt eure erste und letzte Tanda des Abends gemeinsam. Das ist kein Muss, aber eine schöne Sache.

Tipp 12: Respekt und Gelassenheit

Respektiere deine Tanzpartner*innen und Mittänzer*innen. Beim Tango geht es nicht nur ums Tanzen, sondern darum, Teil eines sozialen Events und einer Gemeinschaft zu sein.

Sei nicht sauer, wenn du nicht jede Tanda oder mit all deinen Wunsch-Tänzer*innen tanzt. Nutze stattdessen die Zeit, um den sozialen Aspekt der Milonga, die Musik und die Menschen zu genießen.

Bring positive Energie mit – und go with the flow!

Genau diese Mischung macht die Tango-Szene in München besonders lebendig.


About the author: Federico Suarez ist Tango-Tänzer und -Lehrer in München und Teil des Tango Young Munich Projekts bei Tango Flow. Er begeistert sich für traditionelle Tangomusik und den sozialen Aspekt des Tango.

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