Wie Tango Young die Münchner Tangoszene verändert hat

Die junge Tangoszene in München hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Als ich 2019 aus Krakau nach München gezogen bin, hatte ich einen kleinen Kulturschock.

Krakau hat eine Tangoszene, die jung, laut, ambitioniert und voller Persönlichkeit ist.
Es gibt viele auftretende Lehrer, hungrige Schüler und dieses Gefühl, dass ständig etwas passiert. Man geht aus, und man spürt den Buzz.

München war anders.

Die Szene war groß in Zahlen, aber sie wirkte sehr gesetzt. Jeder schien seinen Platz bereits zu kennen. Die Milongas waren gut, die Tänzer gut – aber die Energie war konservativ. Vorhersehbar. Mir fehlte dieses Gefühl von Bewegung, von Ferment, davon, dass etwas entsteht.

Und als junge Tänzerin, Lehrerin und Neuankömmling in der Stadt fehlte mir noch etwas anderes:
meine Leute.

Ich wollte nicht einfach nur „eine weitere Ausländerin in München“ sein. Ich wollte Freunde, Gemeinschaft und einen Ort, an dem ich durch Tango dazugehören konnte.

Tango Young entdecken

Kurz nachdem ich angefangen hatte, in München zu unterrichten, entdeckte ich, dass es Tango Young bereits in anderen europäischen Städten gab. Das Projekt war in Florenz entstanden und hatte sich von dort aus in Städte wie Paris, Wien und andere verbreitet.

Ich schrieb Alessandro und Giovanni, die Gründer des Projekts, und fragte, ob es Sinn machen würde, Tango Young auch in München zu starten. Es war noch klein. Ganz neu. Aber sie sagten ja.

Für mich war das der Moment, in dem sich die Münchner Tangoszene wirklich zu verändern begann.

Was Tango Young Munich wirklich bedeutet

Von Anfang an ging es bei Tango Young Munich nie darum, Menschen über 35 auszuschließen.

Es ging darum, Menschen unter 35 einzubeziehen – eine Gruppe, die in der lokalen Tangoszene fast unsichtbar war.

Das Ziel war einfach:
junge Menschen in den Tango bringen. Ihnen einen Ort geben, an dem sie sich willkommen fühlen. Ihnen ermöglichen, Teil der bestehenden Szene zu werden, statt außen vor zu stehen.

Und es hat funktioniert.

Was sich verändert hat

Nachdem Tango Young Munich gestartet war, kam Bewegung in die Szene.

Zuerst entstand PRKTK, eine Pop-up-Práctica, die sich auf echtes Üben und persönliche Entwicklung konzentrierte – etwas, das es so in München vorher kaum gab.

Dann kam ein Tango-Projekt an der LMU Universität dazu, das Tango direkt zu Studierenden brachte und junge Menschen außerhalb der üblichen Tangokreise erreichte.

Kurz darauf begannen auch andere Schulen, Under-35-Kurse anzubieten – eine direkte Reaktion auf das neue junge Publikum, das in der Szene sichtbar wurde.

PRKTK wurde später zur Brezel Praktika, die heute ein fester Bestandteil der Münchner Tangowoche ist – in der FAT CAT im Gasteig, günstig, sozial, offen und auf Lernen und Verbindung ausgerichtet.

All diese Initiativen haben dazu beigetragen, dass die junge Tangoszene in München heute viel sichtbarer und lebendiger ist. Erst danach begannen wir, Studentenrabatte für die Milonga Baviera einzuführen und so eine neue, jüngere Generation von Tänzern in die Milongas zu holen.

Heute bieten immer mehr Veranstalter Studentenrabatte an. Neue Projekte entstehen. Neue Organisatoren bringen ihre eigenen Ideen ein. Die Szene fühlt sich jünger, neugieriger und lebendiger an.

Die Münchner Tangoszene heute

München wird wahrscheinlich nie Krakau sein – und das ist okay.

Aber es ist nicht mehr schläfrig.

Es gibt eine Vielfalt an Initiativen, neuen Formaten, neuen Organisatoren und eine wachsende Generation junger Tänzer. Teil dieser Veränderung zu sein – durch Tango Young Munich und Tango Flow – macht mich ehrlich stolz.

Denn Tango ist nicht dafür da, ein Museum zu sein.

Er ist dafür da, zu leben.

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